Gustav Landauer

Darstellung des Projekts

Gustav Landauer (1870-1919) war eine herausragende Gestalt der frühen libertären Bewegung in Deutschland. Er war ein überaus produktiver und hoch angesehener Literatur- und Theaterkritiker, Kulturphilosoph, Dramaturg, Essayist, Übersetzer, Roman- und Novellenautor, Vortragsredner, freiheitlicher Sozialist, Antipolitiker und Publizist.

Am 2. Mai 1919 wurde Landauer bei seiner Einlieferung in das Gefängnis Stadelheim (München) durch eine Soldateska brutal misshandelt und ermordet. Ein gutes Jahrzehnt blieb dem Freund Martin Buber bis zum Machtantritt der Nazis, um wichtige Schriften Landauers herauszugeben und derart die Grundlage für eine längerfristige, doch stets eher untergründige Nachwirkung zu verbreitern. Den Jahren der Verfemung durch die Nazis folgten Jahrzehnte eines weitgehenden Verschweigens und Vergessens sowohl in der postnazistischen BRD als auch in der parteioffiziellen Geschichtsschreibung der DDR. Ein selbsterklärter Anarchist aus jüdischer Familie war in keinem der beiden deutschen Staaten wohlgelitten.

Erst ganz allmählich, befördert zunächst durch Nachdrucke in kleineren oft anarchistischen Verlagen und insbesondere seit dem Ende der Blockkonfrontation – in der jede differenzierte Bewertung historischer Sozialismen tendenziell aufgerieben wurde – durch zahlreiche verdienstvolle Studien, begann die hervorragende Bedeutung Gustav Landauers immer deutlicher zu werden und ist heute unabweisbar. Seit Jahren erfreut sich sein Werk eines stetig zunehmenden Interesses.

Diese Webseite will diesem Interesse entgegenkommen, der Landauer-Forschung ein Hilfsmittel sein und dazu beitragen, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit auf Werk und Leben Landauers zu lenken. Zu diesem Zweck verbindet sie zur Zeit drei Elemente:

Der Historiker und herausragende Landauer-Biograph Tilman Leder steuert eine wachsende Chronologie zur Webseite bei.

Der Philosoph Anatole Lucet koordiniert eine internationale, offen zugängliche und ebenfalls wachsende Bibliographie, deren Basis unter Mitarbeit renommierter Landauer-Forscher*innen gelegt wurde, darunter Gianfranco Ragona und Siegbert Wolf.

Die Gustav Landauer Denkmalinititative (Berlin) nimmt die 100. Wiederkehr des Todestages von Gustav Landauer im Jahr 2019 zum Anlass, um erinnerungspolitisch zu intervenieren und in einem offenen Prozess ein Landauer-Denkmal in Berlin zu realisieren. Sie hat auch diese Webseite zu verantworten, die über den zeitlichen Horizont der Denkmalinitiative hinaus bestehen wird und schon jetzt weitere Projekte zur Mitwirkung einlädt.

Alle an dieser Webseite Beteiligten sind der Überzeugung, dass das Werk Gustav Landauers heute so wenig abgegolten ist, wie vor 100 Jahren und seine wiedergefundene Bedeutung nicht vor allem in der Vergangenheit, sondern möglicherweise noch vor uns in einer bislang unterlegenen Zukunft liegt.